Nachlese zum Frühstück mit Carmencita Nader

Carmencita Nader ist Leiterin des Social Banking Österreich in der Erste Bank und Vorständin der Zweiten Sparkasse. Als Volkswirtin mit Fokus auf internationale Entwicklung verbindet sie wirtschaftliches Denken mit sozialer Verantwortung. Berufliche Stationen führten sie u. a. ins Austrian Institute of Technology, zur Bank of New York Mellon nach London und in die Erste Group, in der sie seit 2010 tätig ist – seit 2019 mit klarem Schwerpunkt auf Social Banking. Sie steht für finanzielle Inklusion und Angebote, die Chancen ermöglichen sollen: für Menschen, die in klassischen Finanzstrukturen oft keinen Platz finden. Ihr Leitsatz „Social Banking ist wichtiger denn je“ ist dabei kein Slogan, sondern Haltung und tägliche Praxis.

In unserem Gespräch wurde schnell spürbar, wie sehr Carmencita aus echten Erfahrungen spricht – und wie präzise sie Dinge auf den Punkt bringt. Wir haben über Lebensstationen, Mut zu Chancen (auch im Ausland) und darüber gesprochen, wie wichtig eine klare, passende Kommunikation ist. Mentoring spielte ebenso eine Rolle wie der Umgang mit Barrieren: nicht, indem man sie wegredet, sondern indem man hinschaut, nachfragt und Absolutheiten auflöst. Genau diese Art der Präzision – auch sprachlich – blieb hängen: nicht pauschalisieren, sondern konkret werden.

Inhaltlich stand Social Banking als Brücke im Zentrum: zwischen sozialen Herausforderungen und der oft konservativen Logik von Risiko, Regulatorik und „Bankability“. Carmencita klärte uns auf, dass es beim Social Banking nicht um „Sonderlösungen“ geht, sondern um Zugänge zu gesellschaftlichen Tipping Points – Bildung, leistbarer Wohnraum, Gründung, Nachhaltigkeit und soziale Innovation. Besonders eindrücklich war das Modell der Zweiten Sparkasse: Kontozugang für vulnerable Personen, ermöglicht über die Begleitung durch Sozialorganisationen. Ein einfaches Prinzip mit großer Wirkung – weil finanzielle Teilhabe oft der erste Schritt in Richtung Selbstbestimmung ist.

Wir sind dann tiefer in wirkungsorientierte Finanzierungsmodelle eingestiegen: und es ging um die Frage: Wie übersetzt man Wirkung so, dass sie nicht nur gut gemeint, sondern auch gut finanzierbar und messbar ist? Die Antwort lag in einer klaren Wirkungslogik, in pragmatischer Governance und in Messung, die verhältnismäßig bleibt. Das VSE-Label wurde dabei als hilfreicher Leitfaden genannt – gerade auch als Schutz gegen Green- oder Socialwashing. Das VSE-Label steht für „Verified Social Enterprise“ und ist ein staatlich getragenes österreichisches Gütesiegel für wirkungsorientierte Unternehmen (Social Enterprises). Es soll sichtbar machen, welche Organisationen nachweislich „Impact first“ verfolgen – also soziale und/oder ökologische Ziele verbindlich ins Geschäftsmodell eingebaut haben.

Zum Schluss blieb ein sehr persönlicher Appell, der sich wie ein roter Faden durch das Gespräch zog: Sucht euch ein Thema, hinter dem ihr wirklich steht – nicht zu breit werden, sondern mit Überzeugung fokussieren. Und dann dieses Thema mit ganzer Kraft unterstützen. Genau diese Mischung aus Kompetenz, Mut und sozialem Engagement machte das Gespräch so stark, wofür wir Carmencita sehr danken!

Alle Fotorechte: Frau im Fokus

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